Wasser als Ressource

Rein wissenschaftlich gesehen, zählt Wasser zu den wichtigsten Bestandteilen des Lebens. Dabei ist das für Menschen wichtige Süßwasser nur zu etwa 3 % in unterschiedlicher Verteilung auf der Erde vorhanden. Es ist in Permafrost Eis und Schnee gebunden und steht in Flüssen, Seen und unter der Erde im Grundwasser zur Verfügung. Wasser ist nicht nur Lebensraum, sondern auch Lebensmittel. Im Jahr 2019 wurden 176 Milliarden m³ in Deutschland verbraucht hiervon 20 Milliarden m³ für Kühl- und Prozesswasser für Bergbau, Industrie und Energieversorger, welche überwiegend aus Flüssen, Seen und Talsperren dieses Wasser verfügbar machten. Unser wichtiges Trinkwasser und auch Wasser für die Landwirtschaft stammten zu gut 70 % aus Grund- und Quellwasser (Quelle: Umweltbundesamt, Wasserwirtschaft in Deutschland). Der Wasser-Fußabdruck Deutschlands beträgt 219 Milliarden m³ pro Jahr, je Bürger 2638 m³ pro Jahr. 

Die verfügbare Menge ist zum einen abhängig von Niederschlägen und zum andern vom Grundwasserbett, anthropogenen Veränderungen in Bodenschichten, der Versickerung und dem natürlichen Kreislauf des Wassers. Durch den Klimawandel verändern sich auch Niederschlagsmuster, sowie auch die Intensität der Regenfälle. Durch die zusätzlichen Eingriffe in Form der Stadt- und Landschaftsplanung sind vielfach Situationen entstanden, in denen das nun partiell in Massen anfallende Oberflächenwasser kaum zurückgehalten werden und in der Kürze der Zeit nicht abfließen kann. Es bleibt festzustellen, dass hierdurch die Bodendecke teilweise anfällig für Erosion wird. Dies ist erschwerend, noch begleitet durch entsprechende Hitzeperioden und die Aufheizung der Städte, Siedlungen und Umgebung technischer Anlagen (wie Industrieanlagen, Raumlufttechnische Anlagen, Windräder, innenstädtische enge Bebauungen, etc.) Es kommt zu unterschiedlichsten Auswirkungen, die da wären: Rückstauungen, Kanalüberlastungen, besondere Anforderungen an Abdichtung und Maßnahmen im Bereich der Dächer und andere Lösungen bei Regenwasserführungen. 

Die in Deutschland zur Verfügung stehenden Ressourcen an Baumaterial, die überwiegend im Massiv- und Industriebau eingesetzt wurden, sind in den letzten Jahren zunehmend ergänzt durch den Holzbau, Strohbau und  Modulbau zum Einsatz gekommen. Je nach Regionalität, Einsatzzweck und architektonischer Gestaltung haben alle ihre eigene Legitimation, die bei den unterschiedlichen Bauweisen entsprechend unterschiedliche Ressourcen tangieren. So ist die Ressource Wasser, als Prozesswasser im Falle des Holzbaus, geringer im Gesamtvolumina im Vergleich zum industriellen Betonbau.

Beim Stroh- und Holzbau wird die Ressource Wasser während des Wachstums des nachwachsenden Rohstoffs innerhalb der Erzeugungskette benötigt, beim Massivbau hauptsächlich während der Produktion und Verarbeitung. Dies stellt unterschiedlichste Anforderungen an die Planer, Architekten und Ingenieure, Bauschaffende, sowie die genaue Betrachtung der Prozesschritte und einzusetzen Materialien. Unterstützend sind hier die wissenschaftlichen und fachspezifischen zusätzlichen Planer, aus Ingenieurswesen, die gewerkespezifischen Fachplaner, naturwissenschaftliche Fachbereiche, wie Bauphysik und Baubiologie. Ergänzend bestenfalls die Erfahrungen aus dem langjährigen Betrieb von Immobilien des Property- und Facility Management, um die architektonischen Besonderheiten des einzelnen Bauwerks in einen wirtschaftlichen Betrieb des Gebäudes umsetzen zu können. Die Entwicklung dieser hochkomplexen Thematik benötigt insofern einen Prozessablauf, der die Einbeziehung alle oben aufgeführten Beteiligten bereits frühzeitig in der Planung berücksichtigt.

Beispielsweise kann die nachhaltige Zurückhaltung von Regenwasser über ein extensives Gründach mehrere Vorteile bündeln:

  1. Aufnahme, partiell und kurzzeitig viel anfallenden Wassers wird über das Substrat aufgefangen und langsam in die Entwässerung abgegeben.
  2. Verhinderung von zeitweisen Überlastungen von Rückstauungen im öffentlichen Kanalnetz.
  3. In der Folge Begrenzung von kurzzeitigen Übereinleitungen von Wasser in Flüsse und Seen.
  4. Die extensive Begrünung schützt das Gebäude vor Hitze
  5. Kühlung der oben drüber liegende PV Anlage und somit eine positive Auswirkung, die bis zu 8 % mehr Leistungsfähigkeit der Anlage ermöglichen kann
  6. Die Erhitzung der Umgebung wird gedämpft, da die Verdunstung des gespeicherten Wassers zu einer Umgebungsabkühlung führt.
  7. Es werden unterschiedlichste Schwebstoffe aus der Luft bereits vorab ausgefiltert und in Substrat gebunden, dadurch weniger dieser Stoffe im Regenwasser.
  8. Schutz der Dachabdichtung vor UV, Strahlung und der thermischen Belastung durch Jahreszeitenwechsel.
  9. Pflegebedarf, ähnlich der eines Flachdaches ohne Dachbegrünung.

Sollte man Wasser als Ressource in Planung berücksichtigen?

Vielfach wird das so genannte Grauwasser aus Dusche, Waschbecken und Spüle immer noch vermischt mit Schwarzwasser in die Kanalisation eingeleitet. Bereits bei der Planung kann man genau dieses Wasser aber noch nutzbar machen. Nachträglich ist es oft meist nicht mehr wirtschaftlich umsetzbar. Es gibt entsprechende Filteranlagen, die dieses Wasser für zum Beispiel Blumen gießen etc. als Ressource zurückerhalten. Dies erfordert allerdings bereits in der Planungsphase eine Mitwirkung entsprechender Experten. 

Ressourcenschonung, ökologischer Fußabdruck, Schadstoffkataster sowie Raumklima sind im naturwissenschaftlichen Bereich bei den dafür ausgebildeten Experten, den Baubiologen und Sachverständigen, sowie Messtechnikern zu finden. Jahrzehntelange Praxiserfahrung, gerade im Bereich dieser nachhaltigen Gebäude Nutzung, können zum einen eine Reduktion nachfolgende Betreiberkosten, sowie eine Ausrichtung ökonomisch und ökologischer Nachhaltigkeit darstellen.

Hierzu einige Beispiele:

Zink- und Kupferbestandteile

Die vielfach bei Industrieanlagen eingesetzten lüftungstechnischen Anlagen, welche frei auf den Industriedächern montiert sind, geben Zinkrückstände an das Regenwasser ab. Ebenso Regenrinnen aus Kupfer und Zink. Diese sollte aus dem Regenwasser gefiltert werden, wenn es zum Beispiel zur weiteren Nutzung des Regenwassers kommt. Nicht nur im Falle des eigenen Gemüsegartens, der über die Zisterne versorgt wird, sondern auch für die Metallbelastung im Grundwasser ein wichtiger noch viel zu oft vernachlässigter Faktor. Die Boden- und Grundwasserbelastungen werden zusätzlich noch durch Beimengungen von fungiziden Mitteln (Verpilzungsschutzchemikalien) erhöht, da diese sich mit der Zeit auswaschen und Wasser in den Boden versickert und weiter auch über  Oberflächensammlung in die Kanalisation abgeleitet wird.

Radongaseinträge

Erstaunlich sind die teilweise durch Kompromisse erzeugten Rückschlüsse von Kommissionen, die Anforderungen aus unterschiedlichen Fachgebietsbereichen miteinander vermischen. Radongas ist ein Edelgas, dass als Abspaltung von Uran in tieferen Bodenschichten der Erde entsteht. Es kann sich beispielsweise unter der Bodenplatte ansammeln und über nicht gasdichte Durchdringungen in die Gebäude eindringen. Radongas kann auch über Wasser in das Haus gelangen. Ebenso sind die vorhandenen Abwasserleitungen, wie zum Beispiel offene Abläufe von Heizungsanlagenkondensat, oder Abwasser. Be- und Entlüftung als Eindringpfade bekannt. Insofern ist die Planung der wasserführenden Versorgung ein wichtiges Thema im gesamten Prozess. Bodenabläufe, Wanddurchführungen für Kabel und Rohre etc., sowie nicht gasdicht hergestellte Bauteile mit Erdberührung können unter Umständen zu einer gesundheitlichen Auswirkung im Nachgang führen. Hier können gerade in der Vorplanung Radon Fachpersonen adäquat, ihre Erfahrung in den Prozess bringen.

Wassernutzung im Betrieb des Gebäudes

Beispielsweise sind Klimatisierungen im Bestand über Deckenklimasysteme möglich. Hierbei wird ganz gezielt die Strahlungswärme und die dünnere Aufbaustärke genutzt, um  Ressourcen wie Energie und Material zu sparen. Weitere Vorteile sind die schnelle Verlegung und die Gewerke unabhängige Umsetzung. Unebene Böden, sowie raumspezifische unterschiedliche Bodenaufbauten sind somit kein Thema mehr. Die Strahlungswärme wird
vom menschlichen Körper direkt empfunden, da sie im Raum homogener verteilt wirkt. Die Vorlauftemperatur dieser Klimatisierung ist oftmals schon bereits mit 24-28° Celsius erreichbar. In einer Abhangdecke könnte somit eine Lüftungsanlage, sowie nachfolgend die klimatisierte Decke eingebracht werden und somit mehrere Arbeitsgänge Ressourcen schonend verbunden werden. Hierbei sind sowohl die Lüftungsanlage im Fertigsystem, als auch die Klimadecke als Flächensystem über das Maler- und Stuckateur Handwerk umsetzbar.

Die Wasserverteilung als Klimatisierung wirkt sich im Haus in Bezug auf die Raumgesundheit und Behaglichkeit aus. In Innenräumen halten sich Personen zu 80 % auf (zu Hause, auf der Arbeit, in der Schule, im Verein…). Das Raumklima hat einen exponentiell hohen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen. Zum Raumklima gehören sämtliche Faktoren, wie Temperatur, Feuchte, Licht-Intensität und Qualität, Luft Zusammensetzung, Zugerscheinungen, Elektrostatik, Temperaturverteilung im Raum, Lüftung, Geräusche, Geruch und physikalische Eigenschaften der Raumgeometrie in Bezug auf Schall und Temperaturverhalten. Auch hier gibt die naturwissenschaftliche Betrachtung aus der Baubiologie heraus, eine umfassende Expertise, die in der Planungsphase einbezogen, ein dauerhaft positives Umfeld für den Menschen ermöglichen kann.

Expertennetzwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen mit ihrem breiten Fachwissen und der jeweiligen Expertise zur Verfügung:

Somit sieht man, dass Ressourcenschonung von Wasser in der Planung, sowie im Betrieb vor allem planerisches Know-how erfordert. Es lohnt sich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch die entsprechenden Fachbereiche und Fachplaner frühzeitig einzubinden. Für den Architekten und Planer indes führt die Einbeziehung zu Möglichkeiten das eigene Geschäftsfeld auszuweiten und die unternehmerischen Weichen zur Nachhaltigkeit zu
stellen.

Autor: Martin Köhler, Wetzlar 11.02.2025

Der Artikel wurde veröffentlicht im Jahrbuch 2025-2026 "Mit dem Wasser Planen und Bauen" des Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure.

 

Über den Autor
Martin Köhler (Unabhängiger Sachverständiger, Baubiologe IBN und Radonfachperson)
Rundum Baubiologisch

Sachverständigenbüro für Umweltanalytik, Wohngesundheit und Baubiologie
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